Mrz 142017
 

Da die Presse die komplette Mitteilung der Belegfrauenärzte zu den Machenschaften von Geschäftsführung und Aufsichtsrat bei der zu 100 Prozent im Kreisbesitz befindlichen imland GmbH um die Schließung der Kinderstation und die von dort provozierte Schließung der Geburtsstation allein schon aus Längengründen nicht veröffentlicht hat, stellen wir diese auf unserer Website gern zu Ihrer Information ungekürzt zur Verfügung. Die FDP sieht sich dadurch in Ihrer Haltung und in der Forderung nach disziplinarischen Maßnahmen gegen Geschäftsführer Hans-Markus Johannsen sowie des Rücktritts von Aufsichtsratsvorsitzendem Thorsten Schulz bestätigt:


Angesichts der aktuellen in der Presse veröffentlichten Diskussion um die Kinderklinik und die Entbindungsklinik an der imland-Klinik in Eckernförde, möchten wir als die verantwortlichen Belegfrauenärzte die Öffentlichkeit gern über den aktuellen Stand informieren.

In Deutschland werden bundesweit seit vielen Jahren die tatsächlichen Kosten für Leistungen in der Geburtshilfe nicht von den gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen erstattet. Dies liegt neben den allgemein teureren modernen Therapieverfahren im Bereich der Geburtshilfe vor allem an den in den letzten 15 Jahren exorbitant gestiegenen Haftpflichtprämien für alle in diesem Bereich Tätigen, seien es Hebammen, Frauenbelegärzte oder auch hauptamtlich geführte Frauenkliniken. Während die hauptamtlichen Kliniken ihr Haftungsrisiko überwiegend über den kommunalen (staatlichen) Schadensausgleich absichern, was jedoch auch hier hohe abrechnungstechnische Defizite nach sich zieht, müssen sich freiberufliche Hebammen und Ärzte privat versichern. Dies hat in den letzten Jahren zu einem starken Rückgang der (von Hebammen geführten) Geburtshäuser und der (ärztlich geleiteten) Belegentbindungskliniken geführt.

Auf Grund dieser allgemeinen Entwicklung war auch die letzte noch belegärztlich geführte Entbindungsklinik nördlich von Lübeck trotz ihres hervorragenden Rufes über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus von der Schließung bedroht. Dank der gemeinsamen Anstrengungen von Stadt, Kreis und Klinikleitung mit den damals 12 Beleghebammen und 4 Belegärzten gelang es mit Hilfe eines 2013 geschlossenen Kooperationsvertrages, dessen Inhalt öffentlich bekannt ist, die Station und damit die geburtshilfliche Versorgung der Region zu sichern. Dies war nur möglich, in dem sich der Kreis verpflichtete, einen gewichtigen Teil der Haftpflichtprämien der Ärzte zu übernehmen. Darüber hinaus wurde zu unserer Entlastung und zur Verbesserung der Versorgung eine Stationsarztstelle eingerichtet. Den Beleghebammen sicherte man vertraglich die Bezahlung Hebammen ferner Dienstleistungen (Reinigungstätigkeiten, Müllentsorgung, Wäscheorganisation, Administration von Material und Medikamentenbeschaffung, Notfallbereitschaft für Frauen ohne feste Hebamme) zu.

Einen wichtigen Beitrag zur qualitativ sehr hochwertigen Geburtshilfe leistete hierbei auch die traditionell gute Zusammenarbeit mit der Kinderklinik an der imland-Klinik, die schon immer über eine vorbildliche Kooperation zwischen der hauptamtlichen Kinderklinik im imland-Mutterhaus in Rendsburg und den Kinderbelegärzten in Eckernförde gekennzeichnet war.

Dank dieses jederzeit auch von Seiten des Kreises als Eigentümer der imland-GmbH und der Geschäftsführung wie von den Hebammen und uns als legal erachteten Kooperationsvertrages gelang es, die Geburtenzahlen im Jahr 2016 wieder deutlich über 800 zu steigern. Im Jahr 2016 wurde die Entbindungsstation Eckernförde von den Patienten zur mit Abstand beliebtesten Station aller imland-Klinikstationen an beiden Standorten gewählt.

Bereits im Verlauf des Jahres 2016 wurden wir Belegärzte von Seiten der Klinikgeschäftsführung auf mögliche Probleme durch die Ratifizierung des Antikorruptionsgesetzes am 04.06.2016 hingewiesen. Man versicherte uns jedoch, dass man das Problem im Auge habe und zu gegebener Zeit lösen würde.

Zum Oktober 2016 kündigte dann die imland-Kinderklinik Rendsburg ihre Kooperation mit der Belegpädiatrie in Eckernförde wegen plötzlich bemerktem akutem Personalmangel und drohenden Problemen auf Grund von Überstunden mit dem Betriebsrat. Es wurde uns erklärt, wir bräuchten uns um die existenziell wichtige notfallpädiatrische Unterstützung der Geburtshilfe keine Sorgen zu machen, da man einen Rund-um-die-Uhr-Notfallrufdienst für die Entbindungsstation eingerichtet habe.

Zur Rettung der Kinderklinik wurde eine Arbeitsgruppe von Seiten der Klinik unter Beteiligung von uns Belegärzten und Hebammen ins Leben gerufen. Diese tagte im Januar mehrmals letztendlich ohne Ergebnis, da alle Vorschläge aus Sicht der Geschäftsführung nicht umsetzbar waren.

Aus unserer Sicht ist eine kinderärztliche Versorgung der Neugeborenen, so wie sie bis zum Oktober 2016 erfolgte, aus Gründen der Sicherheit und Versorgungsqualität unverzichtbar und es bedarf auch weiterhin einer Zusammenarbeit mit der Kinderklinik in Rendsburg, so wie ja auch die Chirurgie, die Anästhesie und zur Zeit noch die Innere Abteilung in Kooperation mit Rendsburg geführt werden.

Seit 01.01.17 unterstützt die Geschäftsführung der imland-GmbH 3 von uns Belegärzten (einem von uns wurde bereits die gesamte Haftpflichtprämie für 2017 erstattet) nicht mehr bei der Finanzierung unserer Haftpflichtversicherungen, da man mit Berufung auf das Antikorruptionsgesetz vom Juli 2016 solche Zahlungen für illegal hält und uns vor einer Gefängnisstrafe bewahren möchte. Eine offizielle Rechtsexpertise, die diese Interpretation des § 299 belegt, wurde jedoch von der imland-GmbH weder vorgelegt noch unseres Wissen in Auftrag gegeben.

Auch alle Zahlungen an die Hebammen wurden eingestellt, mit der Bitte, ihre Leistungen unentgeltlich weiter zu erbringen.

Alle Juristen, die wir mit der Bewertung dieser Problematik beauftragt haben, sehen in dem Kooperationsvertrag keinen Vertrag wider die guten Sitten. Und nur so einen Vertrag darf man einseitig ohne Wahrung von Fristen kündigen. Dennoch hat Herr Dr. Johannsen als Geschäftsführer der imland-GmbH im Februar einseitig die Passagen im Kooperationsvertrag gekündigt, in denen uns ein Mitspracherecht bei Stationsumbaumaßnahmen eingeräumt wurde. Zusätzlich wurde im selben Schreiben die Vereinbarung über die Zuschüsse zur Haftpflicht und die Gewährung einer Stationsarztstelle gekündigt.

Ohne diese Unterstützung sind wir Belegärzte und Beleghebammen jedoch aus den oben angegebenen Gründen selbst bei bestem Willen nicht in der Lage, unsere Arbeit fortzusetzen, ohne unsere gesamte wirtschaftliche Existenz zu gefährden.

Wenn die einseitige Kündigung des Kooperationsvertrages nicht umgehend und rückwirkend zurückgenommen wird, muss aufgrund dessen zu unserem größten Bedauern in absehbarer Zeit unsere Zusammenarbeit mit der imland-GmbH enden.

Wir haben Jahre und Jahrzehnte gern mit vollstem Engagement ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit oder private Interessen rund um die Uhr auch an Wochenenden und Feiertagen für die Eckernförder Entbindungsstation gearbeitet, ohne dabei darauf zu achten, ob Aufwand und Ertrag sich für uns lohnen, weil wir alle finden, dass gesunde Neugeborene und zufriedene Eltern durch kein Geld der Welt zu ersetzen sind.

Aber wir können diese Arbeit nicht unter Rückgriff auf die Spardosen unserer Kinder fortführen. Wir sind auf die Unterstützung der Klinik angewiesen, solange in Deutschland die Finanzierung der Geburtshilfe wie zu Beginn erläutert nicht Kosten deckend durch die Krankenkassen erfolgt.

Wir appellieren an die Geschäftsführung der imland-Klinik, zum ursprünglichen Vertrag zurückzukehren und wir appellieren an die Politik, für Rechtssicherheit zu sorgen, denn wir wollen, dass die geburtshilfliche und kinderärztliche Versorgung unserer wieder wachsenden Bevölkerung auch in Zukunft hier in Eckernförde und Umgebung gewährleistet bleibt.

Dr. med. Anna Holk
Dr.med. Swana Swalve-Bordeaux
Tom Martin
Dr. med. Ralf Kröger