Dez 132013
 

Sehr geehrter Herr Dr. Mehl,

Leserbrief des Herrn Dr. Heinrich Mehl in der EZ vom 10.12.2013

Leserbrief des Herrn Dr. Heinrich Mehl in der EZ vom 10.12.2013

Ihr Leserbrief in der Eckernförder Zeitung vom 10. Dezember dieses Jahres verdient meiner Überzeugung nach eine öffentliche Antwort. Die übliche Reaktion als Pressemitteilung erscheint mir dabei unangemessen. Da Sie mit Ihren persönlichen Angriffen jedem Ratsmitglied Würde und Integrität absprechen, bedarf es schon einer persönlichen Form der Antwort, zumal es sich noch einmal um eine Steigerung Ihrer in der Vergangenheit nicht nur per Leserbrief geäußerten Verunglimpfungen und Beschimpfungen handelt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihre Kollegen vom Bürgerforum Sie fragen werden, was Sie geritten haben mag, ausgerechnet in einer Phase, als sich eine emotionale Debatte in der Ratsversammlung anbahnte, die den Kollegen Dr. Jentzsch in größte Schwierigkeiten bringen würde, noch Öl ins Feuer zu gießen und die Situation zusätzlich emotional aufzuladen. Sie haben Herrn Dr. Jentzsch und den übrigen Ratsmitgliedern des Bürgerforums damit mit Sicherheit keinen Gefallen erwiesen. Doch das sind rein taktische Dummheiten, die Sie mit Ihrer Fraktion intern klären müssen.

Mir geht es vielmehr um Duktus und Inhalt Ihres Briefes. Sie charakterisieren auf der einen Seite die Ratsmitglieder als Personen, die auf andere „eindreschen„, die mit „Fehlbehauptungen und Gerüchte-Streuen“ arbeiten. Diese „zetern“ und „geifern„, „basierend auf rasender Eifersucht und Neid“ und „schließen sich zusammen, um dem Bürger Dr. Jentzsch den Bürgerpark wieder zu entreißen„. Überhaupt betrieben sie ein „hektisches Politikgetöse„. Kurz, in Ihrem öffentlich ausgebreiteten Weltbild handelt es sich bei uns um ausnahmslos minderwertige, abstoßende Gestalten. Es ist noch gar nicht so lange her, da titulierte eine in Ihrer Sprachwahl klassifizierende Schrift namens „Der Stürmer“ so etwas als „Untermenschen“. Immerhin haben Sie sich diesen Begriff verkniffen.

Dieser Darstellung der Ratsmitglieder stellen sie in blindem, absolut kritikfreiem Führerkult den Ratsherrn Dr. Jentzsch entgegen, „der anders ist als die im Rat und dieser Stadt Mächtigen„. Er ist in Ihrem Weltbild ein Mensch von „entwaffnender Offenheit, mit sympathischer Naivität„, er hat „genannt, was wahr ist„, im Gegensatz zu anderen „hat er sich selbst interessiert gezeigt„. Dann beschreiben Sie ausführlich in begeistert verklärendem Ton, welch hehre, reine Absichten der Kollege Dr. Jentzsch mit dem Bürgerpark verfolge. Ob das alles so richtig ist, möchte ich hier nicht noch einmal bewerten. Herr Dr. Jentzsch hat jedenfalls eine Menge anderer Sichtweisen in der Aktuellen Stunde der letzten Ratsversammlung aushalten müssen.

Ihre dargelegte Weltsicht finde ich per se schon mehr als bedenklich. Dann bekommen Sie es aber hin, diese Ungeheuerlichkeiten noch zu steigern, indem Sie den Eindruck erwecken, wir Ratsmitglieder hätten dazu beigetragen, den Kollegen Bund in den Tod zu treiben und jetzt käme mit dem Kollegen Dr. Jentzsch „der nächste dran„. Das ist derart infam, dass ich kaum noch weiß, wie man darauf reagieren soll.

Nur soviel deshalb: Der Kollege Micha Bund und ich waren mit Sicherheit nicht die besten Freunde und wären es auch nicht mehr geworden. Wir haben uns gegenseitig tatsächlich manchmal nichts geschenkt. Aber wir haben gleichwohl eine Art des gegenseitigen Umgangs miteinander gefunden, der den jeweils Anderen durchaus als Mensch mit all seinen Fehlern und Schwächen respektiert. Als der Kollege Huber mich beispielsweise kürzlich nach einer Sitzung mit auf die „Andreas Gayk“ einlud, äußerte der Kollege Bund mir gegenüber seine Freude über mein Kommen ganz direkt. Ich käme nie auf die Idee, dem Kollegen Bund einen persönlichen Schaden oder gar den Tod zu wünschen. Ich war im Gegenteil sehr geschockt über die Nachricht seines Todes. Ebenso wenig wünsche ich Herrn Dr. Jentzsch, mit dem ich nicht nur an besagtem Abend auf der „Andreas Gayk“ gern und lange diskutiert habe, irgendetwas Schlechtes. Wir haben uns vielmehr in den letzten Wochen öfters vertrauensvoll miteinander ausgetauscht und ich hoffe, dass wir das auch künftig so fortsetzen werden.

Sie unterstellen mir also tatsächlich allen Ernstes öffentlich, ich hätte zum Tod des Einen beigetragen und würde jetzt den Tod des Anderen betreiben? Ich finde es ausgesprochen widerlich, wie Sie hier das schlimme persönliche Schicksal eines Menschen instrumentalisieren, von dem Sie vorgeben, sie würden ihm nahestehen. Es macht mich fassungslos, mit welcher Frechheit und Selbstgerechtigkeit Sie in Ihrem Leserbrief anderen Menschen Empathie, Rechtschaffenheit und Würde absprechen. Alle übrigen Worte, die ich dazu finden könnte, sind nicht dazu geeignet, aufgeschrieben oder auch nur ausgesprochen zu werden.

Deshalb freue ich mich, dass Ihr Fraktionsvorsitzender Matthias Huber sich öffentlich in der Ratsversammlung von Ihrem Leserbrief distanziert hat. Bei Ihnen hingegen stellt sich mir die Frage, ob Ihnen Ihre Verfehlungen eigentlich noch bewusst sind. Falls Sie Ihr Schreiben in vollem Bewusstsein und bei klarem Verstand verfasst haben, dann sind Sie für eine Partei oder eine Wählergemeinschaft in jeder Funktion untragbar geworden. Selbst bei einer öffentlichen Entschuldigung wäre mir der gemeinsame Aufenthalt in einem Raum mit Ihnen nur noch schwer vorstellbar.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Fink